Akiko Hada, The Fall of a Queen or the Taste of the Fruit to Come, 1991, Videostill
© Akiko Hada, 2021i

Fringe of the Fringe

Über die Kanonisierung der Subkultur

Datum

01.06.2021 - 31.05.2022

Seit seinen Anfängen in den 1970er Jahren ist das Medium Video sowohl in der Kunst als auch in der Alltagskultur der BRD eng mit den sub- und gegenkulturellen Bewegungen der Zeit verknüpft. So ist es nicht verwunderlich, dass viele der heute kanonisch gewordenen Kunst- und Musikvideos aus den westdeutschen Gegenkulturen der 1970er bis 1990er Jahre – insbesondere Punk, Postpunk, New Wave und Industrial – hervorgegangen sind. Künstler*innen und Musiker*innen stellten sich gegen traditionelle Wertvorstellungen und fanden sich am Rand (engl. „Fringe“) der bürgerlichen Gesellschaft wieder.  

Das Projekt „Fringe of the Fringe“ wurde vom Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität und der Stiftung IMAI - Inter Media Art Institute initiiert, um verschiedene Positionierungen im Kunst- und Musikvideoschaffen der Sub- und Gegenkulturen der BRD aufzuarbeiten. Die Konferenz möchte queerfeministische und antirassistische Strategien zur Archivierung und Aufarbeitung der audiovisuellen Nachlässe von Punk, Postpunk, New Wave und Industrial zusammentragen und vor allem nutzbar machen. Anhand des Archivs des Kölner Musik- und Kunstvideovertriebs 235 Media, dessen Aufarbeitung sich die Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute verschrieben hat, werden Musikvideos und Konzertmitschnitte aus den 1970er bis 1990er Jahren im Hinblick auf Race, Class, Gender und Sexuality befragt.  

Schon seit den 1970er Jahren zeigt sich das subversive Potenzial der Kunst- und Musikvideos in der Auslotung und Überschreitung sozialer Normen und geschlechtlicher Stereotype. Aber wie können diese Überschreitungen im Kontext der Strukturen und Widerstände ihrer Zeit verstanden werden? Inwieweit wurden dabei auch die Privilegien der eigenen Position reflektiert? Lassen sich diese Privilegien nachträglich aufarbeiten? Bis heute sind Historisierungsprozesse der Gegenkultur in der Regel weiß und cis-männlich dominiert. Es stellen sich also die Fragen: Wie können subalterne Stimmen institutionalisierte und etablierte Narrative überführen und weiterentwickeln? Was würde eine intersektionale Geschichtsschreibung für die Kanonisierung der Sub- und Gegenkulturen der BRD bedeuten?  

Im Zentrum des Kongresses steht eine kritische Reflektion institutionalisierter Kanonisierungsprozesse von Gegenkulturen, in der die Rolle von Gedächtnisinstitutionen wie Archiven, Bibliotheken und Museen erstmals umfassend aufgearbeitet wird. Dabei wird die Geschichte der BRD bewusst in einem internationalen Kontext reflektiert. Befragt werden sowohl akademische als auch künstlerische Forschungsansätze und Archivpraktiken. Um die Geschichte von Zeitzeug*innen aufzuarbeiten, ist außerdem das von der Bürgeruniversität der Heinrich-Heine-Universität geförderte Projekt #KultOrtDUS – die Medienkulturgeschichte Düsseldorf als urbanes Forschungsfeld in die Konferenz eingebettet und dessen Stimmen einbezogen.  

Fringe of the Fringe

Dr. Linnea Semmerling
Direktorin Stiftung IMAI

Dr. Kathrin Dreckmann
Akademische Studienrätin
Institut für Medien- und Kulturwissenschaft
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Dr. Elfi Katharina Vomberg
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Institut für Medien- und Kulturwissenschaft
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Gefördert durch

Kooperationspartnerin

Similar projects