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VIDEOSKOP 05

VIDEOSKOP 05: Sabine Himmelsbach - Kirsten Geisler

KIRSTEN GEISLER "VIRTUAL BEAUTIES" (1999)
VIDEOSKOP 05
Sabine Himmelsbach - Kirsten Geisler

Kirsten Geisler: "Virtual Beauties" (1999)

Geislers «Virtual Beauties» sind virtuelle Figuren, die der Wirklichkeit gewordene Wunschtraum gebündelter Schönheitsvorstellungen zu sein scheinen....

Geislers «Virtual Beauties» sind virtuelle Figuren, die der Wirklichkeit gewordene Wunschtraum gebündelter Schönheitsvorstellungen zu sein scheinen. Gleichzeitig wird Schönheit hier als komplexes kulturelles Konstrukt vorgeführt, orientiert an medialen Vorbildern.

Video ausgesucht und vorgestellt von
Sabine Himmelsbach, künstlerische Leiterin, Haus für elektronische Künste Basel

Noch heute ist mir der Moment des beeindruckten Innehaltens präsent, als ich 1996 auf der ART COLOGNE vor Kirsten Geislers Arbeit «Who are you?» stand. Das Videobild einer realen Person und dessen virtuelles Alter Ego waren nebeneinandergestellt. Fragen nach der Wirklichkeit der Bilder, nach der Repräsentation von Realität und Fiktion, nach Original und Kopie wurden gleichermaßen verhandelt. Mit dieser Installation inszenierte Geisler als eine der ersten Medienkünstlerinnen die zunehmende Virtualisierung und Digitalisierung unserer Lebenswelt und griff die damit einhergehende gesellschaftspolitische Auseinandersetzung um Identitätskonstruktion in diesem Kontext auf.Der Körper, seine Materialität, seine Spuren und seine mediale Präsenz sind Themen, die Geislers Werk prägen und inspirieren. Schönheit, Körper und Identität und der Einfluss, den neue Technologien auf diese haben, sind Fragestellungen, mit denen sie sich seit Langem beschäftigt. In ihrer Werkreihe der «Virtual Beauties», von der das imai eine Version von 1999 in seiner Sammlung besitzt, setzt sie sich mit der digitalen Manipulation des menschlichen Körpers auseinander. Das von ihr entwickelte Computer(ab)bild ist tatsächlich das Resultat messbarer und kalkulierbarer Schönheit. Die als Computeranimationen kreierten virtuellen Geschöpfe sind nach Ergebnissen der Forschung über das menschliche Schönheitsempfinden angelegt. Schönheit wird hier als komplexes kulturelles Konstrukt vorgeführt – orientiert an medialen Vorbildern. Geislers Figuren sind antiseptische Geschöpfe, kahlgeschoren und nackt. Ihre augenscheinliche Leere ist irritierend und verweist den Betrachter auf die kritische Infragestellung eines über die Massenmedien vorgegebenen Idealbildes.

Die Interaktion zwischen realer und virtueller Welt bleibt bestimmendes Thema in Geislers Arbeiten. Mit ihrer letzten Schöpfung «Maya Brush», einer rein digital entstandenen Figur, die im letzten Jahr ihre virtuelle Geburt im globalen Netzwerk feierte (www.firstvirtualbirth.com), werden die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt gänzlich überwunden.


Kirsten Geisler
Biografie im imai Online-Katalog >> (auf den Text klicken für scharfe Darstellung)
Weitere Arbeiten von Kirsten Geisler im imai Online-Katalog >>

Sabine Himmelsbach

Die Kunsthistorikerin Sabine Himmelsbach ist künstlerische Leiterin des Haus für elektronische Künste Basel. Zuvor leitete sie das Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg (2005-2011). Ausstellungsprojekte (u. a.): «Fast Forward» (2003); «Coolhunters» (2004); «Playback_Simulierte Wirklichkeiten» (2006); «Ökomedien. Ökologische Strategien in der Kunst heute» (2007); «Landschaft 2.0» (2009); «MyWar. Partizipation in Kriegszeiten» (2010); «Culture(s) of Copy» und «gateways. Kunst und vernetzte Kultur» (2011)

Durch einen Klick auf diesen Link gelangen Sie direkt zu dem Video "Virtual Beauties" von Kirsten Geisler.

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